Tambora-Ausbruch 1815

Vor 111 Jahren veränderte eine gewaltige Vulkaneruption in Indonesien das Weltklima – und führte auch in Deutschland zu Hunger, Krisen und sozialen Spannungen.

Der Ausbruch des Tambora im Jahr 1815 gehört zu den gewaltigsten Naturereignissen der jüngeren Menschheitsgeschichte.

Der Vulkan liegt auf der indonesischen Insel Sumbawa und erreichte vor der Eruption eine Höhe von über 4.300 Metern.

Bereits Anfang April 1815 begann die Aktivität, bevor der Ausbruch am 10. April seinen Höhepunkt erreichte. Gewaltige Explosionen schleuderten Asche, Gestein und vulkanische Gase bis zu 40 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Mit einer Einstufung von 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex zählt dieses Ereignis zu den stärksten jemals dokumentierten Ausbrüchen.

Insgesamt wurden etwa 150 Kubikkilometer Material ausgeworfen, pyroklastische Ströme verwüsteten große Teile der Insel, und der Gipfel des Vulkans stürzte ein, wobei eine rund sechs Kilometer breite Caldera entstand. Die direkten und indirekten Folgen waren verheerend: Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 70.000 und 100.000 Menschen durch den Ausbruch, anschließende Hungersnöte und Krankheiten ums Leben kamen.

Auch in Europa waren die Auswirkungen deutlich spürbar. Die in die Stratosphäre gelangten Schwefelgase führten 1816 zum sogenannten „Jahr ohne Sommer“, in dem sich das Klima merklich abkühlte.

Aprilhimmel über dem Donnerwetter.de-Wetterpark - die zweite KI-bearbeitete Aufnahme zeigt, wie der Himmel nach dem Ausbruch des Tambora ausgesehen hat.

In vielen Regionen des damaligen Deutschen Bundes kam es zu ungewöhnlich kaltem und nassem Wetter mit häufigen Regenfällen, späten Frösten und teilweise sogar Schneefall in den Sommermonaten. Die Ernten fielen vielerorts schlecht aus oder wurden vollständig zerstört, was zu drastisch steigenden Getreidepreisen führte.

Die Folge waren Versorgungsengpässe und Hungersnöte, insbesondere unter ärmeren Bevölkerungsschichten. In einigen Regionen kam es zu sozialen Unruhen und verstärkter Abwanderung, da viele Menschen ihre Existenzgrundlage verloren. Historische Berichte sprechen von Bettelzügen und einer Zunahme von Krankheiten, die durch Mangelernährung begünstigt wurden. Besonders in Süddeutschland brachen die landwirtschaftlichen Erträge massiv ein.

Die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen wirkten sich auch auf das Alltagsleben aus: Dauerregen und Kälte erschwerten nicht nur die Landwirtschaft, sondern beeinträchtigten auch Handel und Infrastruktur. Flüsse traten häufiger über die Ufer, Wege wurden unpassierbar, und die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage verschärfte sich weiter.

Selbst kulturell hinterließ diese Zeit Spuren, etwa in der Literatur: In diesen ungewöhnlich kalten und dunklen Jahren entstand unter anderem der Roman „Frankenstein“ von Mary Shelley.

  Redaktion
 Team-Info
 Team-Kontakt




5

Wetter-Meldungen

CO2-Deutschland

509 ppm
17.04.2026 10:44
mehr

Zitat des Tages

    "Bescheidenheit ist der einzige sichere Köder, wenn du nach Lob angelst."

    Philip D. S. Chesterfield