Klima, 05.09.2026
Eine außergewöhnlich starke El-Niño-Phase baut sich im Pazifik auf und trifft mit voller Wucht auf den menschengemachten Klimawandel. Experten der WMO und NOAA warnen vor extremen Dürren, verheerenden Sturzfluten und neuen Hitzerekorden.
Im tropischen Pazifik zeichnet sich die Entwicklung einer außergewöhnlich starken El-Niño-Phase ab, deren Auswirkungen sich bis weit in das Jahr 2027 erstrecken könnten.
Was ist El Niño und wie entsteht das Phänomen?
Bei diesem regelmäßig auftretenden Klimaphänomen erwärmt sich die Meeresoberfläche im östlichen und zentralen tropischen Pazifik deutlich stärker als üblich.
Während kräftige Passatwinde normalerweise warmes Wasser Richtung Indonesien und Australien treiben und vor der Küste Südamerikas kühleres Tiefenwasser aufsteigen lassen, schwächen sich diese Winde während eines El-Niño-Ereignisses ab.
Das warme Wasser breitet sich weiter nach Osten aus und verändert die atmosphärische Zirkulation rund um den Globus grundlegend.
Globale Wetterextreme und historisches Ausmaß
Fachleute sprechen aktuell bereits von einem potenziellen Super-El-Niño, der sich direkt auf den menschengemachten Klimawandel legt.
Durch diese Überlagerung wird das Jahr 2027 nach Einschätzung der Weltorganisation für Meteorologie mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit das heißeste Jahr seit Beginn der modernen Wetteraufzeichnungen.
Diese Prognose der US-Wetterbehörde NOAA zeigt die erwartete Stärke von El Niño anhand der Wassertemperaturen im Pazifik. Auf der unteren Achse stehen die dreibuchstabigen Kürzel für jeweils drei zusammenhängende Monate, wie JAS für Juli bis September oder NDJ für den Höhepunkt von November bis Januar. Die linke Achse misst die Erwärmung des Wassers gegenüber dem Normalwert: Während Werte ab +0,5 °C einen El Niño markieren, steigen die Prognosen im kommenden Winter auf Spitzenwerte von über +2,5 °C:
Auch im Vergleich der letzten 2.000 Jahre ist die aktuelle Erwärmung sehr wahrscheinlich beispiellos, wie Paläoklimadaten aus Baumringen und Eisbohrkernen belegen.
Die weltweiten Folgen dieser Entwicklung sind enorm. Es drohen massive Wetterextreme wie verheerende Dürren und Dürreperioden in Australien, Indonesien und Teilen Afrikas sowie schwere Sturzfluten und Überschwemmungen in Südamerika und Ostafrika. Für Mitteleuropa sind die Auswirkungen zwar meist indirekter, jedoch verändern sich auch hier die großräumigen Strömungsmuster über dem Atlantik, was unter anderem mildere oder deutlich wechselhaftere Winter begünstigen kann.
Folgen für Wirtschaft und Alltag
Neben den meteorologischen Gefahren hat das Phänomen spürbare ökonomische Konsequenzen.
Wenn Extremwetter wichtige Anbauregionen trifft, fallen Ernten von Agrargütern wie Kaffee, Kakao, Reis oder Zucker oft schlecht aus, was sich rasch auf die Weltmärkte auswirkt und letztlich zu spürbaren Preisanstiegen für Verbraucher im Supermarkt führt.
Frühwarnung verringert das Katastrophenrisiko
Obwohl das Schadenspotenzial durch Fluten, Stürme und Dürren enorm ist, gibt es einen entscheidenden Hoffnungsschimmer: Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten verfügen wir heute über bessere Frühwarnsysteme und Schutzmaßnahmen. Durch die frühzeitige Modellierung können Staaten Vorbereitungen treffen, um das Risiko einer humanitären Katastrophe einzudämmen.
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